Die Rolle der Frau in der Landwirtschaft in Entwicklungsländern

Feb 19, 2021 | geschrieben von:

Frauen bei der Feldarbeit. Für diejenigen, die schonmal in Afrika waren, ein bekanntes Bild. Ein Bild mit bitterem Beigeschmack.

Leider treffen Frauen in der Landwirtschaft immer noch auf große Hindernisse, vor allem in Entwicklungsländern. Es ist eine Ungleichheit mit Tradition. Anlässlich des International Women's Day am 8. März wollen wir diesem Problem auf den Grund gehen und einige der Mythen beseitigen.

Schauen wir auf die Hintergründe: Laut dem UN Welternährungsbericht 2020 waren im vergangenen Jahr etwa 820 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Ein Großteil dieser Menschen lebt in Entwicklungsländern und 50% von ihnen sind Kleinbauern in ländlichen Regionen. Zur Bekämpfung dieser und anderer weltweiter Problematiken hat die UN 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung festgelegt. Eines dieser Ziele: Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Das klingt auf dem Papier relativ simpel. Schließlich sprechen wir hier von einem der grundlegendsten Menschenrechte. Aber wie steht es wirklich um die Gleichberechtigung?

Bleiben wir dafür zunächst in Afrika. Der Kontinent hat die Voraussetzungen, die Landwirtschaft zu seinem Wirtschaftsmotor zu entwickeln. Dieses Potenzial wird allerdings noch nicht ausgeschöpft. Ein Grund dafür ist die Ungleichstellung von Frauen - in der Wirtschaft und leider auch in den Köpfen vieler Menschen.


Beispiele gefällig? Frauen produzieren bis zu 68% der Nahrungsmittel des Kontinents, ihnen gehören aber nur ein Fünftel der Anbauflächen. Zugang, Eigentum oder Kontrolle von Land für Frauen - in vielen Regionen immer noch undenkbar. Dazu Probleme auf struktureller Ebene: Frauen in Entwicklungsländern haben statistisch einen geringeren Bildungsabschluss als Männer und werden schlechter bezahlt. Das hat natürlich nichts mit tatsächlicher Qualifikation zu tun - sondern mit veralteten Rollenbildern. Der Mann als “Versorger” der Familie. In vielen, gerade ländlichen, Regionen immer noch Standard.  Mangelnde Gleichberechtigung ist zudem häufig politisch verankert. Verhandlungstische an denen über Landrechte und die Agrarpolitik entschieden wird, sind häufig männlich dominiert.

Das Potenzial, das hier verborgen liegt, ist riesig. Zur Erinnerung: 80% der Lebensmittel weltweit werden in kleinbäuerlichen Plantagen produziert. Landwirtinnen haben weniger Zugang zu Technologien und Ressourcen, wie Düngemittel oder Maschinen. Dazu werden ihnen deutlich häufiger Kredite verweigert. Kredite, die notwendig sind, um Land zu erwerben oder diese Ressourcen zu kaufen. Was bleibt, ist: Die einfache Feldarbeit.

Das muss sich ändern. Nur darüber zu Reden hilft den Landwirtinnen vor Ort allerdings nicht weiter. Für wirkliche Veränderung braucht es ein Umdenken in den Köpfen. Wie schafft man das am besten? Eine mögliche Antwort: Positivbeispiele. Denn die können Vorurteile, Misstrauen und auch wirtschaftliche Zweifel nach und nach Abbauen. Gesellschaftlicher Wandel benötigt Zeit. Und Initiativen, die Hoffnung geben indem sie Veränderungen tatsächlich umsetzen.

Eine dieser Initiativen ist unser Projekt in Guatemala. Treedom beteiligt sich zusammen mit der Partnerorganisation AMKA vor Ort an der Umsetzung von Projekten, durch die das Empowerment von Frauen - vor allem durch Ausbildung und Schulung im Bereich der Landwirtschaft - in der Region etabliert wird.

Wem moralisches Bewusstsein alleine nicht als Argument reicht: Es ist einfache Mathematik. Effizientere Verteilung der Ressourcen führt zu höherer Produktivität. Laut Schätzungen von Oxfam könnte durch Gleichberechtigung von Landwirtinnen der weltweite Gesamtertrag des Anbaus um 20-30% gesteigert werden. Ein Meilenstein im Kampf gegen globalen Hunger und Armut.

Das Gesicht der Landwirtschaft in Entwicklungsländern ist weiblich. Zeit, dass sich das auch in Chancengleichheit widerspiegelt. Denn am Ende gewinnen damit nicht nur die Frauen. Sondern wir alle.

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1.https://www.internationalwomensday.com
2.http://www.fao.org/documents/card/en/c/ca9692en/
3.http://www.fao.org/publications/sofa/2010-11/en/
4.https://sdgs.un.org/goals
5.https://www.reuters.com/article/us-foundation-food-farming-idUSKCN0I516220141016 
6.https://www.amka.it/our-story/
7.https://www.oxfam.org/en/empowering-women-farmers-end-hunger-and-poverty

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