In den letzten Jahren ist das Pflanzen von Bäumen zu einer der am weitesten verbreiteten Strategien geworden, um dem Klimawandel, dem Verlust der Biodiversität und der Degradation von Ökosystemen zu begegnen. Wer könnte das besser bestätigen als wir! Programme der Agroforstwirtschaft, Wiederaufforstung und Aufforstung werden weltweit umgesetzt und von Regierungen, internationalen Organisationen und privaten Initiativen getragen.
Trotz der steigenden Zahl gepflanzter Bäume bleibt eine entscheidende Frage vergleichsweise wenig untersucht – und wird oft unterschätzt: das Überleben der Bäume im mittel- und langfristigen Zeitraum.
Die Studie “The involvement of community members significantly increases the success of tree planting projects – a case study of baobab (Adansonia digitata L.) planting, South Africa” geht genau dieser Frage nach, indem sie das Überleben und Wachstum von Bäumen mit und ohne aktive Beteiligung lokaler Gemeinschaften vergleichend analysiert. Und ihr wisst, wie zentral dieses Thema für uns bei Treedom ist.
Die Studie leistet einen wichtigen Beitrag zur Debatte über Wiederaufforstung, indem sie den Fokus von der Pflanzphase auf die weniger sichtbare, aber entscheidende Phase der anschließenden Pflege verschiebt. Hier stellen wir sie strukturiert und analytisch vor, während wir ihre Einordnung einem gesonderten Editorial überlassen.
Gegenstand der Studie ist der afrikanische Baobab (Adansonia digitata), eine ikonische Art der semiariden Ökosysteme Subsahara-Afrikas. Der Baobab spielt sowohl ökologisch als auch sozioökonomisch eine zentrale Rolle:
In der Region Vhembe in Südafrika ist die Baobab-Fruchternte ein bedeutender Bestandteil der ländlichen Wirtschaft.
Trotz hoher Samenproduktion und guter Keimfähigkeit ist die natürliche Regeneration des Baobabs begrenzt. Das Hauptproblem ist nicht die Keimung, sondern das Überleben der jungen Pflanzen, das stark beeinflusst wird durch:
Die frühe Wachstumsphase stellt daher den zentralen Engpass für die Regeneration der Art dar.
Hinzu kommen weitere Faktoren:
All dies erschwert zunehmend das Überleben junger Pflanzen.
Als Reaktion auf diese Herausforderungen hat die Baobab Foundation das Baobab Guardians Project ins Leben gerufen, ein Aufforstungsprogramm, das auf der direkten Einbindung lokaler Gemeinschaften basiert.
Das Modell ist einfach, aber klar strukturiert:
Das Projekt wurde in fünf Dörfern im Vhembe-Distrikt umgesetzt und führte zwischen 2014 und 2020 zur Pflanzung von 101 Bäumen.
Ein zentrales Element ist das Anreizsystem:
Diese Schwelle ist nicht zufällig: Sie markiert den Punkt, an dem der Baum ausreichend entwickelt ist, um dem Weidedruck standzuhalten.
Die Studie basiert auf einem vergleichenden Ansatz, der longitudinale Daten und statistische Analysen kombiniert.
Stichprobe und Datenerhebung
Die Daten zu den „guarded“ Baobabs wurden zwischen 2014 und 2024 erhoben, mit einer abschließenden Bewertung im Jahr 2025.
Für jeden Baum wurden erfasst:
Zusätzlich wurden halbstrukturierte Interviews mit 57 Guardians durchgeführt, um deren Motivation und Engagement zu verstehen.
Statistische Analyse
Zur Bewertung der Überlebensraten wurde eine Kaplan-Meier-Überlebensanalyse verwendet, mit der sich die Überlebenswahrscheinlichkeit über die Zeit schätzen lässt.
Die Unterschiede zwischen geschützten und ungeschützten Bäumen wurden mittels Log-Rank-Test überprüft.
Weitere Analysen betrafen:
Ergebnisse
ÜBERLEBEN
Das wichtigste Ergebnis betrifft den Unterschied im Überleben zwischen betreuten und nicht betreuten Bäumen – ein sehr großer Unterschied.
Nicht betreute Bäume:
Betreute Bäume:
Dieses Ergebnis überrascht nicht, da die größten Schwierigkeiten für das Überleben von Bäumen in den ersten Lebensmonaten auftreten und nach den ersten drei Jahren stark abnehmen.
TODESURSACHEN
Die Analyse zeigt, dass die Hauptursachen der Mortalität nicht die sind, die man erwarten würde: Es ist nicht die Dürre – die in den Daten nahezu irrelevant ist –, sondern die Wirkung von Vieh (Verbiss und Tritt).
Es gibt natürlich weitere Faktoren, die zur Mortalität beitragen, wie Trockenstress oder – im Gegenteil – Wurzelfäule durch zu viel Wasser in bestimmten Phasen. Diese spielen jedoch eine untergeordnete Rolle.
Dieses Ergebnis zeigt, dass Weidedruck der wichtigste begrenzende Faktor in der Anfangsphase ist. Für diejenigen, die mit der Realität ländlicher Gebiete in Afrika vertraut sind, ist das nicht überraschend: Die Tierhaltung ist ein zentraler Bestandteil der Ernährungssicherheit und der lokalen Wirtschaft.
In großen Teilen Subsahara-Afrikas basiert die Tierhaltung auf extensiven Weidesystemen: Rinder, Ziegen und Esel bewegen sich täglich in offenen Landschaften, oft ohne Zäune, und ernähren sich direkt von der vorhandenen Vegetation. In diesem Kontext sind junge Pflanzen besonders anfällig, da Verbiss und Tritt strukturelle, nicht nur gelegentliche Faktoren darstellen.
WACHSTUM DER BÄUME
Betreute Bäume zeigen in den ersten Jahren ein schnelles Wachstum, und die meisten erreichen eine Höhe von 3 Metern zwischen 2,5 und 3,5 Jahren. Diese Schwelle gilt als entscheidend für das langfristige Überleben.
EIGENSCHAFTEN DER GUARDIANS
Ein besonders interessanter Aspekt betrifft die Eigenschaften der Guardians. Obwohl ihre Rolle entscheidend ist, zeigen die Daten, dass Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Beschäftigungsstatus keinen signifikanten Einfluss auf Wachstum oder Überleben haben.
Der entscheidende Faktor ist ein anderer und grundlegender: die kontinuierliche Anwesenheit von jemandem, der sich kümmert.
EINBINDUNG DER GEMEINSCHAFT
Die Analyse der Interviews zeigt deutlich die zentrale Rolle der Gemeinschaft, unabhängig von den angebotenen Anreizen.
44 % der Guardians nennen den finanziellen Anreiz als Hauptmotivation, während andere die Verbundenheit mit der Natur und den kulturellen Wert des Baobabs hervorheben.
Ein besonders relevantes Ergebnis ist, dass 75 % der Befragten angaben, ihre Tätigkeit auch ohne Bezahlung fortsetzen zu wollen.
Dies deutet auf eine zunehmende Verankerung des Projekts im sozialen Gefüge hin.
Grenzen und Stärken der Studie
Die Autoren weisen auf einige Einschränkungen hin: unterschiedliche Zeiträume der Datensätze, nicht identische klimatische Bedingungen, begrenzte Stichprobe sowie eine noch unzureichende Beobachtungsdauer für die Bewertung der Reproduktionsphase.
Diese Faktoren schränken die Generalisierbarkeit ein, stellen die Ergebnisse jedoch nicht grundsätzlich infrage.
Die Analyse des Baobab Guardians Project zeigt klar: Das Pflanzen allein reicht nicht aus, um den Erfolg von Aufforstungsprojekten zu gewährleisten.
Der entscheidende Faktor ist die kontinuierliche Pflege, ermöglicht durch die aktive Beteiligung lokaler Gemeinschaften.
Die Ergebnisse zeigen:
In diesem Sinne stellt das Modell der Guardianship und des Community Building eine wirksame Strategie dar, um die Überlebensrate von Bäumen zu erhöhen und die Effektivität von Restaurationsmaßnahmen insgesamt zu verbessern.
Darüber hinaus wird deutlich:
Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Notwendigkeit, Aufforstungsmodelle neu zu denken und die Rolle lokaler Gemeinschaften systematisch über den gesamten Lebenszyklus der Bäume hinweg zu integrieren.
Für uns bei Treedom ist dies eine sehr wichtige Bestätigung der Grundlagen unserer Arbeit.